Der kleine rote oder schwarze Knopf am Vergaser gehört zu den am häufigsten falsch benutzten Teilen eines Rasenmähers. Manche drücken ihn zu oft, manche gar nicht, manche wissen schlicht nicht, was er eigentlich tut. Das Ergebnis ist in allen drei Fällen dasselbe: Der Kaltstart funktioniert nicht so, wie er sollte.
Was der Primer ist und was er tut
Der Primer – auch Primerbulb oder Starterhilfsknopf genannt – ist eine kleine, weiche Gummiblase, die direkt am oder nahe am Vergaser sitzt. Wenn man sie eindrückt und wieder loslässt, wird Kraftstoff aus dem Vergaserkanal in die Primerkammer angesaugt und dann wieder zurück in den Vergaser gedrückt.
Das klingt unspektakulär, hat aber einen konkreten Zweck: Beim Kaltstart nach längerer Standzeit oder zu Beginn der Saison ist der Vergaser trocken. Kein Kraftstoff in den Kanälen, kein verwertbares Gemisch beim ersten Zug am Starterseil. Der Primer füllt den Vergaser vorab mit Kraftstoff – so dass beim ersten Startversuch sofort ein zündfähiges Gemisch vorhanden ist.
Wie oft drücken?
Das ist die Frage, die am häufigsten falsch beantwortet wird. Die Standardempfehlung der meisten Hersteller lautet: zwei- bis dreimal drücken. Nicht einmal, nicht zehnmal.
Jeder Druck auf den Primer befördert eine kleine Menge Kraftstoff in den Vergaser. Bei zwei bis drei Drücken ist der Vergaser ausreichend vorgefüllt für einen Kaltstart. Mehr Drücke bedeuten mehr Kraftstoff – und irgendwann zu viel. Das Ergebnis ist ein überfluteter Motor, bei dem die Zündkerze nass ist und kein Funke mehr zündet.
Ein überfluteter Motor springt trotz guter Zündkerze, frischem Benzin und funktionierendem Vergaser nicht an. Der einzige Ausweg: warten, bis der überschüssige Kraftstoff verdunstet, oder die Zündkerze herausnehmen und trocknen.
Primer bei warmem Motor?
Beim Warmstart – also wenn der Mäher erst kurz gestanden hat und noch warm ist – braucht es in den meisten Fällen gar keinen Primer. Der Vergaser ist noch mit Kraftstoff gefüllt, das Gemisch ist vorhanden. Zusätzlicher Primer führt auch hier zur Überflutung.
Faustregel: Primer nur beim Kaltstart. Wenn der Mäher schon gelaufen ist und kurze Zeit später erneut gestartet werden soll, zuerst ohne Primer versuchen.
Was wenn der Primer nicht zurückfedert?
Die Gummiblase des Primers wird mit der Zeit spröde und kann reißen oder ihre Elastizität verlieren. Wenn sie sich eindrücken lässt, aber nicht mehr in die Ausgangsstellung zurückspringt, ist die Saugwirkung beeinträchtigt – der Primer funktioniert nicht mehr korrekt.
Eine defekte Primerbulb ist ein einfaches Verschleißteil und für wenige Euro erhältlich. Der Austausch ist mit etwas Geduld selbst machbar – die Blase ist meistens mit einer Klammerbefestigung oder durch Eindrehen gesichert. Ersatzteile findet man unter der Modellnummer des Mähers oder der Motornummer.
Wenn der Primer eingedrückt wird und sich keine Kraftstoffrückstände an der Oberfläche zeigen, obwohl Benzin im Tank ist, kann das auch auf eine blockierte Kraftstoffzufuhr zum Vergaser hinweisen – nicht nur auf eine defekte Blase.
Primer und Choke zusammen
Primer und Choke ergänzen sich beim Kaltstart. Der Primer füllt den Vergaser vor, der Choke sorgt für das richtige Luftverhältnis. Beides zusammen richtig einzusetzen ist das Fundament eines zuverlässigen Kaltstarts.
Wer mit dem Choke unsicher ist – wann er eingestellt werden soll, was er macht und wie er sich auf den Startvorgang auswirkt – findet das in aller Ausführlichkeit im Artikel Rasenmäher springt nicht an – liegt es am Choke?
Mäher ohne Primer
Nicht alle Rasenmäher haben einen Primer. Manche Modelle – vor allem neuere – haben einen automatischen Vergaser, der die Vorbefüllung selbst übernimmt. Diese Geräte starten mit einer anderen Prozedur, die im Handbuch beschrieben ist. Wer an seinem Mäher keinen roten oder schwarzen Knopf findet, muss nicht suchen – er ist schlicht nicht vorhanden, und das ist kein Defekt.
