Man hat den Kanister noch vom letzten Sommer. Ein paar Liter drin, riecht noch irgendwie nach Benzin, sieht auch aus wie Benzin. Also einfach nachfüllen und starten – eigentlich keine schlechte Idee. Nur springt der Mäher dann trotzdem nicht an.
Alter Kraftstoff ist eine der häufigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Ursachen für Startprobleme bei Benzinrasenmähern. Das liegt daran, dass Benzin von außen lange wie Benzin aussieht, obwohl es chemisch längst nicht mehr das ist, was ein Kleinmotor braucht.
Was mit altem Benzin passiert
Benzin ist kein stabiles Produkt. Es besteht aus einem Gemisch verschiedener Kohlenwasserstoffe, und genau dieses Gemisch verändert sich mit der Zeit. Die leichteren, flüchtigeren Anteile verdunsten zuerst – übrig bleibt ein dickflüssigerer Rückstand, der schlechter zündet und beim Verdunsten klebrige Ablagerungen hinterlässt.
Dieser Prozess beginnt bereits nach vier bis sechs Wochen. Nach einem Winter in einem teils gefüllten Tank oder Kanister ist das Benzin deutlich degradiert. Bei modernem Kraftstoff mit Ethanol-Anteil geht es sogar noch schneller: Ethanol zieht Wasser an, und mit der Zeit kann sich das Gemisch in eine wässrige Phase und eine Benzinphase trennen – beides zusammen ist für einen Vergaser Gift.
Was dann praktisch passiert: Die klebrigen Rückstände des alten Benzins setzen sich in den feinen Düsen und Kanälen des Vergasers fest. Die Bohrungen, durch die Kraftstoff in die Brennkammer gelangt, sind teils nur Zehntelmillimeter dick. Ein klebriger Film reicht, um sie zu blockieren.
Woran man altes Benzin erkennt
Frisches Benzin ist klar bis leicht gelblich und riecht scharf-aromatisch. Benzin, das zu lange gestanden hat, verändert sich:
Die Farbe wird dunkler, manchmal leicht bräunlich oder trüb. Der Geruch ist stumpfer, muffiger, manchmal leicht sauer. Im schlimmsten Fall sind Schwebstoffe sichtbar oder das Benzin wirkt zähflüssiger als gewohnt.
Wer unsicher ist: Einfach einen Tropfen auf ein weißes Papier geben. Frisches Benzin verdunstet rückstandslos. Altes Benzin hinterlässt einen Fleck oder einen klebrigen Ring.
Was konkret zu tun ist
Schritt 1: Tank leeren
Den alten Kraftstoff vollständig ablassen. Nicht mit frischem Benzin mischen in der Hoffnung, das Problem zu verdünnen – das funktioniert selten und verschleppt das Problem.
Das alte Benzin bitte nicht einfach wegschütten. Es gehört zu einer Schadstoffannahmestelle, die die meisten Kommunen kostenlos oder günstig anbieten.
Schritt 2: Frisches Benzin einfüllen
Normalbenzin Super (E5) ist für die meisten Rasenmähermotoren am besten geeignet. E10 funktioniert bei vielen Modellen ebenfalls, allerdings sollte man vorher im Handbuch nachschauen – manche älteren Motoren vertragen den höheren Ethanol-Anteil nicht gut. E85 oder andere Biokraftstoffe haben in einem Rasenmäher nichts zu suchen.
Schritt 3: Neu starten – und beobachten
Frischer Kraftstoff allein reicht, wenn der Vergaser noch nicht zu stark verharzt ist. Der Mäher springt vielleicht nach einigen Zugversuchen mehr als gewohnt an, läuft dann aber wieder normal.
Wenn er anspringt, kurz läuft und dann wieder ausgeht – oder gar nicht erst anspringt – ist der Vergaser wahrscheinlich schon betroffen.
Wenn frisches Benzin nicht reicht: der Vergaser
Ein leicht verklebter Vergaser lässt sich manchmal mit einem Vergaserreinigersspray wieder in Gang bringen. Das Spray wird in die Ansaugöffnung gesprüht, wirkt auf die klebrigen Ablagerungen ein und kann leichtere Verstopfungen lösen.
Bei stärkeren Verharzungen führt kein Weg am Ausbauen und manuellen Reinigen vorbei. Das ist machbar, erfordert aber etwas Geduld und den richtigen Umgang mit kleinen Teilen. Welche Schritte dabei konkret anfallen, beschreibt der Artikel Rasenmäher springt nicht an – Vergaser reinigen Schritt für Schritt ausführlich.
Der Kanister im Schuppen
Viele Menschen heben Benzinreste über den Winter auf – der Kanister ist ja nicht voll leer, wirft man ja nicht weg. Das Problem ist: Der Kraftstoff im Kanister altert genauso wie der im Tank.
Wer weiß, dass er längere Pausen einplant, kann einen Kraftstoffstabilisator verwenden. Dieser verlangsamt die chemische Zersetzung des Benzins deutlich und hält es über Monate nutzbar. Wann das wirklich sinnvoll ist und was dabei zu beachten ist, erklärt der Artikel Kraftstoffstabilisator für Rasenmäher.
Die einfachere Lösung bleibt allerdings: Im Herbst den Tank und den Kanister leeren, Saison sauber beenden. Dann fängt man im Frühjahr immer mit frischem Kraftstoff an.
